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Kritik an der Paleo Ernährung

Die Paleo Ernährung (oder auch Steinzeiternährung)1,2 ist auch eine low-carb Ernährungsform3. Sie setzt sich ausschließlich aus Nahrungsmitteln zusammen, von denen angenommen wird, dass sie schon in der Altsteinzeit verfügbar waren. Die Ernährung besteht vor allem aus Gemüse, Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten, Eiern, Obst sowie Kräutern, Pilzen, Nüssen, Esskastanien und Honig. Zu vermeiden sind Milch und Milchprodukte, außerdem Getreide und Getreideprodukte wie Brot.

Da die Paleo-Ernährung auch eine kohlenhydratreduzierte Ernährung ist, ist sie prinzipiell auch richtig und gesundheitsfördernd und deshalb auch zu empfehlen.

(Paleo Ernährungspyramide, Quelle:http://www.paleo360.de)

Allerdings lassen sich 2 Kritikpunkte anbringen:

Kartoffeln bzw. Süßkartoffeln sind trotz großer Kohlenhydratmengen erlaubt und Milch bzw. Milchprodukte sollen zu Unrecht gemieden werden.

1. Kartoffeln4 und Süßkartoffeln5 werden fälschlicherweise erlaubt, haben aber einen Kohlenhydratanteil von 20% und dadurch eine hohe Glykämische Masse6,7, d.h. mit einer Portion Kartoffeln/Süßkartoffeln (300g) entsteht die gleiche Blutzuckerbelastung wie nach Konsum von fast 1,5 Tafeln Schokolade, die allerdings nährstoffreicher8 wäre. 


2. Alle Milch und Michprodukte sollten vermieden werden1, da es Tiermilch für den Menschen erst seit Domestikation der ersten Ziegen, Schafe und Kühe vor 10.000 Jahren gibt.

Dieses philosophische, aber wenig durchdachte Argument wird dafür als Begründung herangezogen.

Stimmt es wirklich: Ist Kuhmilch wirklich so anders als die von meiner Mutter? Tiermilch gibt es zwar erst seit 10.000 Jahren, aber als Säugetiere trinken wir unsere Muttermilch ja schon einige Millionen Jahre. Die erste Mamma (= Brust) gab es vor ca. 225 Millionen Jahren. Da sollte eine physiologische Anpassung möglich sein!

Wenn wir uns die Zusammensetzung6,9 von Muttermilch, Kuhmilch, Ziegenmilch und Schafmilch genau ansehen, dann ist zu erkennen, dass sich die Nährstoffe natürlich unterscheiden - je nach Bedarf der entsprechenden Babys. Allerdings ist der Unterschied nicht wesentlich, da es keine artfremden Substanzen gibt. Die Baustoffe der Milch sind absolut gleich, nur die Konzentration der Inhaltsstoffe variiert.

Auch bei Fleisch und Fisch gibt es erhebliche Schwankungen in der Zusammensetzung. Einzig wirklicher Unterschied ist der Kohlenhydratgehalt, da die Milchprodukte Laktose (= Milchzucker) mitbringen. Allerdings sind es verhältnismäßig geringe Mengen an Milchzucker6, die sich im Bereich der Zuckermenge von Obst und Gemüseportionen bewegen.

Ich würde Milch deshalb als „flüssiges Fleisch“ betrachten. Milch und Milchprodukte sind hervorragende Eiweiß- und Fettquellen, deshalb habe ich sie dem Jäger-Anteil6 zugeordnet. Milchprodukte wie Käse, stellen den optimalen Fleischersatz dar und jedes Gericht lässt sich mit Milchprodukten noch verfeinern. Außerdem ist Milchfett ein absolut tolles Omega3-Fett6.

Den Kritikpunkt „Milch als Hormonbombe“ müssen wir uns auch ganz genau ansehen, da dies auch ein Argument zum Verzicht auf Milch und Milchprodukte der Paleos1 ist.

IGF-1 (= Insulin-like Growth Faktor 1) ist ein Hormon, das genauso wie Insulin auch, das Zellwachstum und die Zellteilungsraten erhöht. Nachdem auch in Milch IGF-1 und Progesteron zu finden sind, wird der Milchkonsum wegen dieser „Hormonbelastung“ verboten.

Handelt es sich wirklich um eine Belastung? Am besten ist diese „Hormonbelastung“ durch Milch und Milchprodukte abzuschätzen, wenn die Hormonmengen der Milch6,10 einmal mit der täglichen Eigenproduktion des Körpers6,11 verglichen werden:


Hormongehalt von Kuhmilch
IGF-1 Progesteron
tägliche Eigenproduktion 10.000 µg /Tag

200 µg/Tag (Kind)

20.000 µg/Tag(Frau)

mittlerer Hormongehalt von Kuhmilch 4 µg/l Milch 6 µg/l Milch
Hormonmenge im Verhältnis zu täglichen Eigenproduktion 0,04 %

3 % (Kind)

0,03 % (Frau

Milchmenge für tägliche Hormonmenge 2.500 l Milch/Tag

33 l Milch/Tag (Kind)

3.000 l Milch/Tag (Frau)

Vergleich der Hormonmenge von Kuhmilch mit täglicher Eigenproduktion

(Quelle: Klaus Wührer: Prophylaxe und Therapie durch Artgerechte Ernährung)

 

Sie sehen, die Hormonmengen die in Kuhmilch enthalten sind, sind wirklich nur ein minimalster Teil von dem, was wir für unseren Stoffwechsel täglich selbst produzieren.

Zusätzlich gelangen von den Hormonen, die über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden, nur 10% ins Blut. Diese niedrige Resorptionsrate habe ich bei meinem Rechenbeispiel noch gar nicht berücksichtigt.

Um die tägliche Hormonmenge an IGF-1 zu erhalten, müsste man 2.500 l Milch trinken - das wären 10 Badewannen voll.

Diese „Hormonmengen“ sind so gering, dass sie für den Organismus, der täglich die 2.500-fache Menge selbst produziert, keine Belastung darstellen kann.

Und angesichts der niedrigen Resorptionsraten (10%) von Hormonen, die man während hoch dosierter medikamentöser Therapie gemessen hat, ist es ohnehin fraglich, ob es von den Spuren an Hormonen die in der Milch zu finden sind, überhaupt ein Hormon bis ins Blut schafft.

Es stimmt natürlich, dass die Muttermilch der Säugtiere nur für die Kleinsten der Kleinen bestimmt ist. Das gilt für den Menschen, aber auch im Tierreich. Irgendwann ist Schluss mit „Zapfsäule Mama“ und das Tierbaby wird sich seine artgerechte Nahrung suchen müssen.

Es spricht aber nichts dagegen, ein so perfektes Nahrungsmittel wie die Milch nach dem Abstillen noch weiter zu genießen? Unser Verdauungsapparat mutiert doch nach dem Abstillen nicht?

Nach der Mamma trifft der gleiche Verdauungsapparat auf die gleichen Nährstoffe, die von der Milch geliefert werden, es gibt keine fremden Nährstoffe oder Substanzen. Und nur das ist entscheidend!

Milch ist artgerecht, sie bringt, im Gegensatz zum Getreide, keine artfremden Stoffe mit. Getreide dagegen enthält riesige Mengen an artfremder Stärke, also enorme Zuckermengen, an die wir nicht angepasst sind.

Milch und Milchprodukte sind als „flüssiges Fleisch“ auch für den Erwachsenen Menschen eine optimale, geschmacklich hervorragende Nährstoffquelle und gehören zum Jäger-Anteil der artgerechten Ernährung.

 

Quellenangaben:

1              http://www.paleo360.de

2              https://de.wikipedia.org/wiki/Steinzeiternährung

3              https://de.wikipedia.org/wiki/Low-Carb

4              https://de.wikipedia.org/wiki/Kartoffel

5              https://de.wikipedia.org/wiki/Süßkartoffel

6              Klaus Wührer: Prophylaxe und Therapie durch Artgerechte Ernährung, ISBN: 978-3-9816200-0-9

7              https://de.wikipedia.org/wiki/Glykämische_Masse

8              https://de.wikipedia.org/wiki/Bundeslebensmittelschlüssel

9              Souci, Fachmann, Kraut: Die Zusammensetzung der Lebensmittel, Nährwert-Tabellen. 6. Auflage 2000. CRC Press Inc.

10            Collier et al.: Factors affecting insulin-like growth factor-I concentration in bovine milk: J Dairy Sci. 1991 Sept; 74 (9): 2905-11.

11           Guler et al.: Insulin-like growth factors I and II in healthy man. Estimations of half-lives and production rates. Acta Endocrinologica (Copenh) 1989, 121: 753-758.

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