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Prof. Dr. Josef H. Reichholf, Evolutionsbiologe: Bemerkungen zum großen, sehr gut gestalteten und bestens ausgestatteten Ratgeber „Artgerechte Ernährung“ (02.11.2015)

Wir Menschen sind schon merkwürdig. Seit wir hier im prosperierenden Westen mehr als genug zu essen haben, wissen wir nicht mehr, was wir essen sollen. Lebensgefährlich ist offenbar jede Kost: Kohlenhydrate machen dick und begünstigen Diabetes, Fett geht nicht nur auf die Hüften, sondern bereitet den Herzinfarkt vor. Und Fleisch? Verdächtig krebserregend, so neueste Verlautbarungen der Weltgesundheitsorganisation. Bleiben nur noch Gemüse (Pflanzenschutzmittel-Rückstände und sinkender Nährwert) oder gleich ins Gras beißen!? Dass viele Menschen hungern und an Hunger zugrunde gehen, beweist schließlich, dass wir uns in jeder Hinsicht dem Risiko aussetzen, nicht zu überleben, selbst wenn wir die zweifellos echten Gefahren meiden als da sind Rauchen und Alkohol, Drogen, Reisen, Autofahren, Aufstehen, Liegenbleiben…..

Vor all diesen Gefahren warnen Ratgeber. Und je ängstlicher wir werden, desto besser verkaufen sie sich. Doch je mehr wir von ihnen studieren, umso stärker widersprechen sie einander auch. Das richtig artgemäße Leben scheint uns abhanden gekommen zu sein. Wer sollte noch wissen, wie es zu führen wäre, wenn es in der Menschheit im Wesentlichen nur die Übersatten und die Hungernden gibt. So wie für Letztere Essen jeglicher Art nötig ist, gilt für Erstere die Mäßigung, zumindest käme ihnen zeitweise auch Hunger zugute. Liegt die Lösung also, wie so oft, in der Mitte? Ja, gewiss, und nein, sicherlich nicht! So werden die Anhänger der jeweiligen Diätrichtungen mit Nachdruck betonen. Für Vegetarier und insbesondere für Veganer ist klar, dass die Wurzel allen Übels im Konsum tierischer Proteine liegt, die andere mit flott-werbewirksamen Sprüchen, wie „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“ umso mehr anpreisen. Die (noch) traditionell von besonders fetthaltiger Kost lebenden, hocharktischen Inuit-Jäger, früher Eskimos genannt, würden vegane Ernährung mit dem Todesurteil „Verhungern“ gleichsetzen, und dass der Mensch nicht nur vom Brot allein lebt, steht bekanntlich schon in der Bibel. Bleibt da doch nichts anderes als die seit nahezu biblischen Zeiten vertretene Auffassung der Alten Römer, dass Vielseitigkeit (auch in der Ernährung) entzückt. Variatio delectat hieß es bei ihnen in ebenso einprägsamer, wie an Kürze nicht zu überbietender Klarheit. Damit lagen sie sicher richtig – sofern man sich die Variationen leisten konnte! Womit sich die Suche nach der Lösung des Ernährungs-Dilemmas wieder weiter im Kreise dreht.

Doch es gibt eine Lösung; eine, die sich mit der Natur des Menschen begründen lässt!
Der Mensch lebte den allergrößten Teil der rund 200.000 Jahre, die es ihn als biologische Art gibt, nomadisch als Jäger und Sammler wie auch all die anderen, ausgestorbenen Menschenarten. Auf diese Lebensweise ist unser Körper eingestellt. Und zwar nicht nur im Bau des Skeletts, das uns als zweibeinige Läufer charakterisiert, sondern auch was Ernährung und Verdauung betrifft. Fleisch und Pflanzenkost waren die Grundstoffe, bis die Menschen sesshaft wurden und den Ackerbau erfanden. Fleisch kam von der Jagd auf große Tiere. Fischfang oder das Sammeln von Muscheln ergänzten, wie regional und zur entsprechenden Jahreszeit auch Vogeleier die Kost. Die genutzten Pflanzen waren reich an Rohfasern und „Aromastoffen“, jedoch gering an Zucker und Stärke. Magen und Darm sind darauf eingestellt. Der übrige Körper aber braucht Bewegung, nennen wir’s Arbeit. Auch das steht in der Bibel („Im Schweiße deines Angesichts…“). Das kostet Energie, und die muss aus der Nahrung kommen.

Klaus Wührer hat seinem großen, sehr gut gestalteten und bestens ausgestatteten Ratgeber zur artgerechten Ernährung die Zehntausende von Jahren lange biologische Existenz der Menschen als umherschweifende Jäger und Sammler zugrunde gelegt. Und auch gleich eine Fülle konkreter Rezepte im 2. Teil dazu gepackt, die aufzeigen, wie man sich diese artgerechte Ernährung gut und schmackhaft zusammenstellen kann. Fleisch bildet darin die zentrale Komponente. Fleisch, gutes Fleisch, nicht billige und auf irgendwelche obskure Weisen fabrizierte Wurst oder was unter dieser Bezeichnung heutzutage verkauft werden darf! Seine Argumente sind überzeugend, da gut begründet. Um ihm folgen zu können, braucht man weder eine besondere Lebenseinstellung, noch gar irgendwelche esoterischen Konzepte, sondern nichts weiter als den gesunden Menschenverstand. Die Auswirkungen, die man dann an sich selbst erlebt, wenn man auf seine Vorschläge eingeht, leisten ganz von selbst die weitere Überzeugungsarbeit. Dass eine „artgerechte Ernährung“ im Kern die vernünftige Bilanz zwischen Zufuhr und Bedarf für den Umsatz im Stoffwechsel zum Ziel hat, versteht sich von selbst. Nachzulesen ist es im Buch ausführlich. Aussuchen kann man sich aus dem so reichhaltigen Angebot was schmeckt. Neues wird man gern probieren. Denn die Vorschläge decken sich sowohl mit dem ‚variatio delectat’ altrömischer Genüsse als auch mit dem ganz natürlichen Empfinden von Gaumen und Magen. Was kann man sich mehr wünschen? Zum Schluss noch etwas: Krebs erregend ist nicht das Fleisch, sondern die zur Wurstherstellung vielfach verwendeten Salze, allen voran Nitrit. Riskant im Fleisch sind zudem die Reste der Arzneimittel, die in großem Umfang insbesondere bei der Massenerzeugung von „weißem Fleisch“ verwendet werden. Wie immer geht es um die Qualität. Und was uns für unsere Gesundheit die Ernährung wert ist.

Prof. Dr. Josef H. Reichholf, Evolutionsbiologe  

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